aus dem Office

#instagramliebe — und warum wir uns manchmal streiten

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Diese App ist über die Jahre ein Ort der Perfektion geworden. Und ich wollte ein Teil davon werden. Ein Teil von gemachter, unerreichbarer, tunnel-perspektivischer Perfektion. Ein Teil von unfassbar viel Werbung, tonnenweise ungeschriebener „Regeln“, gelebten Träumen und bröckelnden Fassaden.

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Die Instagram-App ist selbst nicht das Problem, sondern das, was ihre Nutzer*innen daraus machen. Und es gefällt mir nicht immer.

Ich fühle mich viel mehr einer Ohnmacht ausgesetzt, der ich nicht entkomme. Einem „ich muss da mithalten können“ oder „du verlierst deine Reichweite, wenn du nicht täglich Content lieferst“. Weil ich glaube, irgend etwas zu müssen. Weil sie mich glauben lassen, ein Teil davon zu sein löst alle Probleme.

 

ich muss gar nix

zum einen. Zum anderen — wobei will ich da überhaupt mitziehen? Welche ungeschriebenen Regeln versuche ich hier vehement zu verfolgen? Wo will ich damit hin, und: wozu?

Der tägliche Post wird also zur krampfhaften Suche nach Inhalt & Sinn. Nach guten Fotos (mit einer Message und haarscharfer Qualität, naturellement) und einer ausgeklügelten Bildunterschrift (die doch hoffentlich die Betrachter*in dazu bewegt irgendwas damit zu tun).

Was dabei raus kommt? Bei mir zumindest viel gequirltes ir-gend-was mit Kirsche oben drauf.

Hauptsach‘ es schaut guat aus!

Täglich startet die Suche aufs Neue, was ich denn eigentlich mit meinem Insta-Account erreichen will. Welche Botschaft trag ich in die Welt hinaus? Wie mach ich unsere Welt zu einer besseren? Und welchen Teil darf ich davon übernehmen?

Und grüble im nächsten Moment ob ich denn komplett bescheuert bin? Muss denn alles in meinem Leben eine Mission verfolgen? Eine Nische besetzen? Ein glasklares, einzigartiges Ziel verfolgen? Business-lastig werden?

Vor allem Instagram sehe ich als Ort mit verdammt viel Freiheit, weil seine Audienz verzeiht, recht offen und reich an Facetten ist. Von Bücherratten, Starwars-Fans, Fashion-Papas, Fotografen, Bloggern, Strickschule bis zum Business-Angel findest du alles. Es ist für alle etwas dabei und wir können uns unser Nest so einrichten, wie wir das wollen.

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Ich habe nur einen Fehler begangen

Nämlich versucht, Instagram zu 100% für mein Unternehmen zu verwenden. Werbung für mich und meine Leistungen zu machen. Es hat mich unter Druck gesetzt. Plötzlich fühlte ich mich dazu bemüßigt, alles perfekt zu machen. Die Freude, die ich davor daran hatte war plötzlich weg. (Nachträglicher Zusatz: ich verwendete früher mein persönliches Profil plötzlich für alles, was mein Unternehmen betrifft.)

Aber warum?

Mich im Web so zu zeigen wie ich wirklich bin, ist für mich immer schon eine Crux. Ich bin ein wahnsinnig schüchterner und zurückhaltender Mensch geworden, seit ich vor ein paar Jahren durch die Mobbing-Hölle musste und Schulangst bekam. Jeder Schritt mit Social-Interaction wird, nunja, manchmal zu einer Himalaya-Mission ohne Training. Deshalb schmeiss ich mich gerne mal ins kalte Wasser um besser darin zu werden – nicht weil ich das muss, sondern weil es mir hilft.

Und Instagram war eben ein Ort, an dem ich damit besser zurecht kam, als anderswo. Das, was ich auf dieser Plattform (und jetzt auch especially in diesem Blog) mit euch teile, entsteht oft aus einer riesigen Welle Mut, die mich meist sehr stolz auf mich macht. Vielleicht, weil ich eine von vielen bin, die das tut. Das Rampenlicht haben andere, das schätze ich hier sehr.

Der Zusammenschluss von „da kann ich freier sein als sonst“ mit meinem Business (wo die Message, das Bild und das Feeling stimmen soll) war kein Passender – das weiß ich eben auch erst jetzt, danach. Ich bin viel zu gerne anti-social, als dass ich mich tagtäglich mit 100% reinhängen wollen würde – und wenn ich es versuche weiß ich jetzt was dabei rauskommt: eine gewollt-professionelle aber im Sauhaufen-erscheinende Kampagne, dessen Strategie nicht mal ich verstehe.

und einen zweiten Fehler

Der da wäre, Menschen zu folgen die ich als eine Art Vorbild wahr genommen hatte. Die mich allerdings immer wieder aufs Neue spüren liessen was ich nicht kann, nicht mache, nicht so gut schreibe, etc.

Die mir immer wieder das Gefühl gaben, nicht genug zu sein.

Meine Empfehlung: Raus damit. Mit allen, ausnahmslos.

wer bin ich eigentlich wirklich?

… ist eine der Fragen die ich mir gleich nach „Will ich das?“ und „Was will ich?“ immer wieder stelle. Wer versuche ich da gerade zu sein, bin das ich oder kann das im Grunde genommen weg?

Auf der Suche nach mir selbst hab‘ ich vor ein paar Jahren aus der Hilflosigkeit heraus, weil mein Kopf so leer und mein Leben so sinnlos erschien, meinen täglichen Besitz auf das Minimum getrieben – und den Rest in Säcken im letzten Kellereck vergraben. Das Äußere ans Innere angepasst, quasi.

Das tat mir durchaus gut, aber erst jetzt beginne ich wirkliche Selbstarbeit zu leisten. Mich zu fragen wer ich bin, wofür ich mich immer schon begeistern konnte und was mir im Herzen – und nicht nur für ein paar Stunden – Freude bereitet. Hobbys zu finden und Freizeit als wahrhaftig freie Zeit zu verstehen.

Wenn ich mich dann so abrackern sehe, nur um einen Instagram-Feed design-konform zu gestalten, scheint die Frage ob ich das wirklich bin, eine rhetorische zu sein. Denn ich bin es einfach nicht. Ich bin nicht perfekt. Mein Leben besteht nicht nur aus übersprudelnder Kreativität. Es ist auch alles andere, als so geordnet wie ein Instagram-Grid.

Ich fühl mich mit dieser perfectness nicht wohl.

Und ich rufe jede*n  dazu auf, damit sofort aufzuhören, wenn das nicht dein Stil ist.

Denn eigentlich bin ich überhaupt kein ordentlicher Mensch, i love the mess and the mess loves me! Ich mag Provokation – und erwisch mich so oft everybody’s darling sein zu wollen. Ich liebe das Andersartige – und seh mich oft in der Norm untergehen. Meine Schwäche sind konträre Persönlichkeiten, und selbst zwing ich mich, meine Eigenarten in Zaum zu halten. Es artet zu einem Versteckspiel gegen den größten Gegner aus, mich selbst.

Wanna play a game?

Nah, nicht mit mir. Ich will sein, so wie ich bin. Mich dafür nicht schämen, mich dafür nicht rechtfertigen. Den Glauben ablegen, mich verstecken zu müssen für das, was ich bin.

Nämlich: nonkonform, anti-social, schüchtern, extrovertiert, melancholisch, überglücklich, leidenschaftlich, eine Frau, künstlerisch, verträumt, unordentlich, Monk, unentschlossen, gegenstrom, laut, zurückgezogen, vielinteressiert, einfühlsam, emphatisch, kälteresistent, aufbrausend, klassisch, deep, nachtaktiv (es ist 3 Uhr nachts, so nebenbei), noch nicht ausgereift und vor allem: genug.

Ich bin genug.
Du bist genug.
Wir sind genug. immer!

Wie geht’s denn weiter?

 

Ich möchte mir Raum geben für das, was ich erlebe, denke, mache und liebe. Für das, was ich mit euch teilen will. Und ich will es nicht davon abhängig machen ob es instagramable, hochauflösend, perfekt bearbeitet oder schön ist.

Und ich hoffe, dass ich auch andere dazu ermutigen kann mehr von sich selbst zu zeigen. Die aufgescheuerten Masken abzulegen und dem Facettenreichtum vom Mensch sein Raum zu geben. Wo, wie und wieviel davon wir machen ist doch völlig egal, Hauptsache unsere Persönlichkeit verschimmelt nicht im Keller und es fühlt sich gut für uns an.

#aufdieliebe

 

von anderen Blogger*innen:

Why Instagram is making me sickLady Venom / thetravelblog
Liebes Internet, ich bin müde!Melina / Vanilla Mind

 

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